"Nach dem Schlaganfall ist vor dem Schlaganfall", F.A.Z. am 16.07.2023 von Sabine Hoffmann

Fast 300.000 Deutsche erleiden pro Jahr einen Hirnschlag. Jeder Fünfte davon bereits mindestens zum zweiten Mal. Wie lässt sich diese hohe Wiederholungsgefahr senken?

 

Nach 4 ischämischen Schlaganfällen, der erste mit 46 Jahren 2003, dann 2004 mit halbseitiger Lähmung, weiter 2006 und 2007, beendete ich die Ursachen. Ein Schlaganfall kommt nicht vom heiteren Himmel, wie oftmals behauptet, sondern es gibt Vorzeichen, Warnsignale, die man einfach ignoriert.

 

Die Ursachen meiner Schlaganfälle waren Gefäßverengungen, die als Seismograph der Seele reagierten. Es gibt guten Stress, den "Eustress", der richtig Spaß macht, z.B. beim Hobby, den man als gut empfindet, und es gibt den "Dysstress", den wir als negativ empfinden, alles in uns hineinfressen, wo jede Menge Adrenalin und Cortison ausgeschüttet wird und den Blutdruck erhöht. 

Dysstress kann das Leben um 25 Jahre verkürzen. Nicht mit mehr Sport hätte ich die Schlaganfälle verhindern können, sondern mit Yoga oder Autogenem Training.

Dass auch seelische Erkrankungen und Belastungen zu Schlaganfall oder Herzinfarkt führen können, sollte m.M. nach mehr Beachtung finden. Das Schlaganfallrisiko ist sogar um das 5-fache erhöht - obwohl organisch alles i.O. ist - wurde 2003 in einer retrospektiven Fall-Kohorten Studie der irischen Galway Universität nachgewiesen, dass psychosozialer Stress die Ursache für körperliche und seelische Erkrankungen sein können. Ebenso lässt nach einem Schlaganfall die seelische Belastbarkeit nach, weitere werden dadurch begünstigt. Viele sind nach einem Schlaganfall bei der täglichen Arbeit überfordert, ein Teufelskreislauf.

 

Also erst mal zum Anfang, dem Entstehen von Gefäßverengungen durch psychosozialen Stress.

Seit Juli 1990 arbeiteten meine Lebens- und Geschäftspartnerin und ich i.d.R. 100 Stunden in der Woche. Sie war 20, ich 33 Jahre alt. Neben ihrem BWL-Studium an der Chemnitzer Uni, das sie mit einer 1 vor dem Komma absolvierte, baute sie mit mir in Chemnitz und Zwickau noch mehrere Firmen auf. Die Arbeit machte so viel Spaß, das geschäftliche und private Umfeld schon perfekt - also "Eustress".

 

Nur diese immer weiter eskalierende Spannungen mit einer korrupten und kriminellen Justiz und Polizei, die ganz ungeniert einen Teil der Früchte unserer Arbeit als Schutz- und Schmiergeld forderten, trübten nicht unerheblich meine seelische Verfassung. 

Seit 1993 stand ich auf der Abschussliste. Der Auslöser dafür war ein (weiterer) Kriminalfall, über den auch die Freie Presse  Chemnitz 1993 berichtete, wo Versicherungsdetektive der HUK-Coburg im Erzgebirge eine Autoschubserbande dingfest machten, die seit der Wende einen Versicherungsschaden von über 100 Mio. DM verursachte. 

 

Involviert waren Gutachter, Polizisten, Staatsanwälte und Richter aus Bayern - sowie ganze Dörfer.

Dass die Bande aufgeflogen ist, dazu hatte idh nicht unerheblich beigetragen. Ich musste es bitter büßen. Mehrere Mordanschläge habe ich überlebt, auch von Auftragsmördern der Polizei und des Verfassungsschutzes (VS), wie dem NSU, einer Tochter des VS, der vom VS gegründet, aufgebaut, mit Geld, echten gefälschten Päässen vom Chemnitzer Bürgeramt und Waffen ausgestattet wurde und wird. Das steht in dem Buch von Claus Leggewie und Horst Meier "Nach dem Verfassungsschutz ISBN 9783 94377 4030).

 

Unsere mafiöse staatliche Netzwerke nehmen es nicht widerspruchslos hin, wenn ihre Geschäfte gefährdet werden. Ich wurde auf die "schwarze Liste" gesetzt, zu den Bürgern ohne Rechte, also zum Freiwild erklärt. Anno 2007 beendete ich diesen Dysstress und publizierte alles in der Öffentlichkeit, schrieb mir alles von der Seele, vor allem in den Kommentarspalten der Online-Medien zu adäquaten Artikeln wie z.B. "Justizskandal in Sachsen", wo Richter und Staatsanwälte beim Kinderficken gefilmt und damit erpresst wurden.

Sogar Buttolo hatte seine Ermittler zurückgezogen, offiziell weil sie und ihre Familien bedroht wurden. Dass aber alles unternommen wurde, zentnerweise Akten zu schreddern, hatte aber im Rückblick betrachtet nur ein Ziel: Die Reputation der e_rwürdigen Straftäter nicht noch weiter zu beschädigen, dass, wie im Leipziger Kinderbordell, eine Zwangsprostituierte ihren  ehemaligen Zuhälter anzeigte und bei der Hauptverhandlung einer ihrer besten Kunden erkannte, der jetzt für Recht und Ordnung sorgen soll.

 

Ausgang des Verfahrens? Na raten sie mal. 

Ein Deal mit der Staatsanwaltschaft ermöglichte ein seeeeeeehr mildes Urteil, weil er die Namen der Freier nicht preisgab. Und dieAnklageerheberin wurde wegen falscher Anschuldigung verurteilt.

 

Wieder zurück zum Thema: Die ersten auffälligen Vorzeichen, die ich nicht länger ignorieren konnte, hatte ich schon 1993, als die Hexenjagd ungeahnte Dimensionen annahm. Der linke Unterschenkel war gefühllos, hatte aber keine Einschränkungen. Meine Adorfer Hausärztin Dr.Friedrich lies mich sofort mit einem Krankenwagen ins Chemnitzer Klinikum überführen.

Doch nach umfangreichen Ultraschall - Untersuchungen gaben die Ärzte Entwarnung. Einen Schlaganfall hatte sie sagar explizit ausgeschlossen, weil keinerlei Ablagerungen in den Halsschlagadern erkennbar war und so elastisch waren, wie bei einem 20-Jährigen. Noch am selben Tag meldete ich mich bei der AOK SachsenPlus zu 2 parallelen Reha-Kursen an. Innerhalb von ca. 6 Wochen ging die Taubheit sukzessive zurück. 

 

Und dass ich dann im August 2003 den ersten Schlaganfall hatte, war mir nicht bewusst. Während eines Kurzurlaubs bei meiner Schwester in Sinsheim erwachte ich um 7 Uhr und musste mich sofort mehrmals übergeben. Das Sehvermögen war extrem eingeschränkt, aufstehen konnte ich nicht. Auf allen Vieren kroch ich ins Bad und hielt den Kopf unter das kalte Wasser. Ganz langsam kam das Sehvermögen wieder zurück, der Brechreiz verschwand, konnte aber nur ganz wackelig aufrecht stehen und dabei am Waschbecken festhielt.

Innerhalb von ca. 2 Stunden, wo ich mind. 1,5 l Wasser getrunken hatte, war dann auch die Mattigkeit weg, die Gleichgewichtsstörungen aber nicht. Die hielten noch den Rest des Tages an. Ich vermutete einen Kreislaufkollaps, aber ganz sicher keinen Schlaganfall.

 

Am 21.03.2004 bin ich vom Campingplatz Costa Blanca bei Alicante, wo ich den Winter verbrachte, nach Linz, O.Ö. gezogen, um meine Internetirma fortzuführen. In Deutschland lag ein nationaler Haftbefehl wegen Körperverletzung vor. Doch jeden Tag nahm ich mir die Zeit, um mit meinem Schäferhund am Donauufer entlang spazieren zu gehen. Doch eines Tages, im Juli, wurde es mir während des Spaziergangs schwarz vor den Augen und sackte zusammen. Gefühlte 10 Minuten lag ich in der Seitenlage, als das Sehvermögen wieder einsetzte.Erbrechen musste ich nicht. Ich konnte wieder aufstehen, fühlte mich aber nicht sicher auf den Beinen. Auch diesen Vorfall verdrängte ich sofort wieder. An einen Schlaganfall hatte ich nicht gedacht.

Das Armageddon lies nicht lange auf sich warten. In den frühen Morgenstunden des 28. Juli erwachte ich durch Erbrechen in Endlosschleife. Die Folgen dieses Vorfalls dominieren seitdem mein Leben.

Die Tasten auf dem Handy nahm ich nicht mehr wahr. Auf allen Vieren kroch ich auf den Flur und läutete bei meinen Nachbarn Sturm. Wer die Türe öffnete konnte ich nicht erkennen. Ich bat darum, den Notarzt anzurufen, weil ich einen Herzinfarkt oder Kreislaufkollaps habe. Ich lag auf dem Boden und musste weiter erbrechen. Die Sanitäter nahm ich noch wahr, die mich auf eine Bahre legten. Dann wurde ich vor bleierner Müdigkeit bewusstlos.

 

Ein paar Stunden später erwachte ich in der Unit Stroke des AKH-Linz, ca. 4 km von meinem Wohnsitz in Puchenau entfernt. An beiden Unterarmen steckten Kanülen, die mit einem Tropf verbunden waren. Doch ich konnte mich nicht mehr bewegen, war 100% gelähmt. Die Augenlieder konnte ich öffnen und habe alles verschwommen und doppelt gesehen. Nur das Hörvermögen war noch vollständig intakt.

Eine Schwester bemerkte, dass ich die Augen geöffnet hatte und kam ans Bett. Sie fragte nach meiner Kranken- kasse. Nach mehreren Minuten und unzähligen Versuchen, wo ich immer wieder eingeschlafen bin, konnte sie aus dem Gestammel „AOK-Sachsen“ zusammensetzen. Da blinzelte ich ein paar mal, um es zu bestätigen und schlief sofort wieder ein.

Als es laut wurde, erwachte ich abermals. Mehrere Ärzte hatte sich schützend vor meinem Bett platziert. Zwei Polizisten aus Deutschland wollten einen Internationalen Haftbefehl wegen Körperverletzung vollstrecken. Doch die Ärzte weigerten sich und baten inbrünstig darum, die Verhaftung um 2-3 Tage zu verschieben, um irreparable Gesundheitsschäden zu verhindern, dies sogar mein Tod bedeuten würde. Doch Kraft ihrer

Bleispritzen schoben sie die Ärzte zur Seite, entfernten die Schläuche von den Kanülen und nahmen mich incl. Bett mit ins EG der Klinik, in einen bewachten Haftraum. Eine Schwester schob mir noch einen Pinkelbehälter über den Penis, den sie einmal täglich wechselte.  So lag ich nun die nächsten 3 Tage, wo doch jede Minute entscheidend bei der Behandlung eines Schlaganfallpatienten ist.

 

Morgens wurde das Frühstück und Tee neben die Zellentüre auf den Boden gestellt und dann mit dem Mittagessen getauscht. Abends wiederholte sich dieser Vorgang. Wenn ich erwachte, versuchte ich in Gedanken immer und immer wieder die einzelnen Muskeln zu bewegen. Schon am 2.Tag konnte ich die Finger der rechten Hand 1-2 cm krümmen, dann den rechten Ellbogen um ca. 30 Grad anwinkeln. Aber dieser scheinbar kleine Erfolg war für mich Motivation genug, jede Minute mit der An- und Entspannung der einzelnen Muskeln zu nutzen und mir dabei vorstellte, wie ich diese Bewegung vor der Lähmung ausführte. Doch nur die Muskulatur der rechten Hand sprach auf das Training an. Schon die kleinste Verbesserung erfüllte mich mit Freude und dankte mehrmals täglich meinen Schutzengeln, die mir schon so oft geholfen hatten.

 

Der Pinkelbehälter wurde morgens geleert, wo die Menge sukzessive weniger wurde. Am 4.Tag erschien gleich morgens eine Ärztin, steckte mir einen Strohhalm zwischen die Kiemen und hielt ihn in einen Beutel mit 0,3l Orangensaft. Kurz darauf erschienen 2 Beamte mit einem Rollstuhl und hievten mich hinein. Einer hielt mich fest, damit ich nicht nach vorne kippen konnte. Sie fuhren mich zu einem Richter, der eine sofortige Auslieferung nach Chemnitz mit einem Krankenwaren anordnete. Ich konnte keine Frage so beantworten, dass man die Wörter einer bekannten Sprache zuordnen konnte. Nachmittags wurde ich von einem Krankenwagen abgeholt und in die JVA Passau überführt. Dort in einen großen Raum geschoben und auf einen Stuhl umgesetzt.

 

Mind. 20 Personen unterschiedlichster Nationen befanden sich dort und alle quasselten laut durcheinander.  2-3 Stunden später kam ein Beamter mit dem Beschluss des Richters aus Linz und sagte, dass der nächste Krankenwagen frühestens in einer Woche verfügbar wäre. Allerdings besteht die Möglichkeit, dass ich Morgen mit einem Bus nach Chemnitz gebracht werde und ein paar Stunden später dort wäre. Ich nickte, was er als Zustimmung zur Alternative interpretierte.

 

Mit einem Rollstuhl wurde ich in eine Zelle geschoben und auf das Bett gelegt. Ein Becher mit Wasser wurde auf den Tisch gestellt, der am Folgetag immer noch dort stand, als ich wieder in einen Rollstuhl gehievt und zum Bus geschoben wurde. 2 Mitgefangene legten meine Arme um ihre Hälse, zogen mich hoch und trugen mich in den Bus, wo 4 Sitzplätze als Minizelle dienten, die abgeschlossen wurde.

Doch der Bus fuhr nicht nach Chemnitz, wie es der Beamte versprochen hatte, sondern nach Nürnberg. Erst 2 Tage später ging es weiter nach Chemnitz.

 

In einer Woche ca. 1l Wasser, bzw. Tee in Nürnberg, waren für meine verengt Blutgefäße und der Konsistenz des Blutes eigentlich genau das Falscheste, was aus medizinischer Sicht erforderlich gewesen wäre. So wie ich die Sache heute sehe, waren die bayerischen Beamten der Meinung, dass ich in ein paar Tagen sowieso verrecken werde.

Im Chemnitzer Kassberg-Hotel wurde ich ausgeladen, das nach der Wende mit viel Geld grundlegend saniert und sicherheitstechnisch auf den aktuellen Stand gebracht wurde. Bisher hatte ich es nicht mal eines Blickes gewürdigt, wenn ich mal daran vorbeigefahren bin. Jetzt war ich einen Tag lang Gast des Hauses und bekam sogar richtig guten Tee incl. Strohhalm. An der Außenseite des Strohhalms lief ein Teil des Tees wieder herunter

 

Ich hatte enorme Gleichgewichtsprobleme, sah alles doppelt, doch 1-2 Minuten lang konnte ich mich schon wieder in die Vertikale begeben, wenn ich mich dabei irgendwo festhielt. Am Folgetag wurde ich per Einzeltrans- port ins Leipziger Haftkrankenhaus verlegt, in eine ca. 40qm großes 6-Bett Zelle. Der Rollstuhl wurde neben dem Bett abgestellt.

 

Das Training der einzelnen Muskeln bei voller Konzentration, also an- und entspannen , setzte ich bei jeder Gelegenheit fort. Auch tagsüber habe ich immer noch viel geschlafen, so müde war ich. Aber die linke Körperhälfte war immer noch vollständig gelähmt, Zu den Mahlzeiten hievten mich meine Knast-brüder in den Rollstuhl und schoben mich zum Tisch. Den Löffel konnte ich schon wieder halbwegs festhalten und nach ein paar Tagen sogar aus der Kaffeetasse trinken, ohne dass die Hälfte daneben ging. Es bestand also Hoffnung auf eine weitere Genesung.

Gewaschen und angezogen wurde ich von den Pflegern im Bett. Zur Toilette schoben mich meine Knastbrüder und setzten mich darauf. Auch die Anstaltsärztin und ihr Team agierten vorbildlich. Blutverdünner erhielt ich gleich am 1.Tag, regelmäßig wurde Blut abgenommen, alle Werte lagen innerhalb der Toleranz.

 

Dass die linke Körperhälfte immer noch vollständig gelähmt war, wollte ich einfach nicht akzeptieren. Das Muskel- training blieb erfolglos. Nun erweitere ich das Training. Mehrmals täglich lies ich mich vom Bett auf den Boden fallen und robbte auf dem Bauch in alle Richtungen – allerdings nur ein paar Zentimeter. Dann folgten lange Pausen. Diese Übung strengte ungleich mehr an, als die Muskelübungen. Und wenn ich wieder völlig ausgelaugt war, legten mich meine Knastbrüder wieder ins Bett, wo ich Selbstgespräche führte und mich tatsächlich auch immer besser artikulieren konnte. Als ich eine Woche später die Finger der linken Hand ein bisschen krümmen konnte, ebenso die Fußzehen, gab es kein Halten mehr. Ich freute mich darüber wie ein kleines Kind zu Weihnachten Jetzt konnte ich schon täglich kleine Fortschritte wahrnehmen.

Vielleicht 2 Wochen später kniete ich auf dem Boden, legte mein Unterarme in den Rollstuhl und schob ihn durch die Zelle. Die linke Körperhälfte war immer noch ganz gefühllos, also taub. Alle Versuche aufzustehen, scheiterten. Nur wenn ich mich am Tisch oder Waschbecken hochzog, konnte ich das Gleichgewicht halbwegs halten. Die ersten Gehversuche vom Bett aus, wo ich mich am Rollstuhl festhielt, waren erbärmlich. Es strengte nicht nur wahnsinnig an, sondern ich klappte auch mehrmals wieder zusammen. Alle paar Meter legte ich mich auf den Zellenboden. Auf Wunsch setzten mich dann meine Knastbrüder in den Rollstuhl.

 

Doch sichtbare Fortschritte stellten sich erst 1 Monat später ein. Als ich die Zelle non-stop mit dem Rollstuhl durchqueren konnte. Als ich dann zur nächsten Visite den Rollstuhl ins Arztzimmer schob, traute die Ärztin ihren Augen nicht. Sie war so verblüfft und sprach von einem medizinischem Wunder.

 

Anfang November stellte ich einen Antrag auf Reststrafenbewährung zum 2/3 Strafzeitpunkt Ende November. Schon 1 Woche später erhielt ich den Beschluss der Chemnitzer Staatsanwaltschaft, dass dem Antrag keine Folge geleistet wird – ohne irgendeine Begründung. Bei der nächsten Visite zeigte ich diesen Beschluss der Anstaltsärztin. Mit ihren Kollegen besprach sie dann den Sachverhalt. Alle waren mit der schon längst überfälligen Feststellung meiner Haftunfähigkeit einverstanden und die JVA-Leitung beantragte die Entlassung zur Bewährung.

Ohne die Antwort abzuwarten wurde ich in weiser Voraussicht per Einzeltransport in die JVA Chemnitz, Reichen-heiner Strasse überführt. Hier musste sich die Staatsanwaltschaft Chemnitz ausnahmsweise mal an die Gesetze und StPO der BRD halten, um den Heiligenschein eines Rechtsstaats zu wahren und der Entlassung zustimmen.

 

Am 03.12.2004 wurde ich in kurzen Hosen und T-Shirt entlassen. Zu Fuß benötigte ich für die ca. 5 km zu meinem Wohnsitz ca. 1,5Std. Am Folgetag zog ich zu meiner Schwester nach Sinsheim in Begleitung meines Schäferhundes, der in diesen 4 Monaten fast keine Nahrung zu sich genommen hatte und bis auf die Knochen abmagerte.

Doch die AOK BW lehnte alle Anträge auf Kostenübernahme für Reha-Massnahmen ab, da ich mit 48 Jahren aus dem Raster herausfallen würde und dies, obwohl ich am Karfreitag 2006 mit einem weiteren Schlaganfall in meiner Schwäbisch Haller Wohnung mit dem Krankenwagen ins Diakonie-Krankenhaus eingeliefert wurde. An einem Feiertag und einem bundesweiten Ärztestreik. Ich erhielt2 ASS-Tabletten und alle 10 Min. hatte eine Schwester den Brechnapf gewechselt. Als der Brechreiz nach ca. 1 Stunde wider nachließ und auch wieder aufstehen konnte, ließ ich mich mit einem Taxi nach Hause fahren, ca. 1 km entfernt. Die lebenswichtige Behandlung mit einer venösen Blutverdünnung wie in Linz, wurde nicht ermöglicht. Und erbrechen konnte ich auch zu Hause. Zum anderen nahm ich bereits täglich schon seit 2004  im Leipziger Haftkrankenhaus 2 ASS-Tabletten, die mich nicht vor einem weiteren, durch Dysstress verursachten Schlaganfall schützten.

 

Mein Hausarzt Dr.Radlach, der schon vor der Wende von Leipzig nach Schwäbisch Hall auswanderte und eine Arztpraxis übernahm – verstand die Welt nicht mehr. Er kontaktierte seine Leipziger Kollegen in der Uni-Klinik und erhielt die Auskunft, dass die AOK SachsenPlus – unabhängig vom Alter – alle Rehakosten übernimmt, die von einem Arzt verordnet wurden. Dies wurde mit bei einem Kontrollanruf auch so bestätigt.

 

Anfang September 2007 zog ich nach Leipzig und richtete das Appartement für die Zeit der Reha nur spartanisch ein. Eine Einbauküche war vorhanden. Dass dann 5 Jahre daraus geworden sind und heute noch dort wohnen würde, lag an den vielen netten Menschen, den kulturellen Angeboten und Freizeitmöglichkeiten.

 

Am 05.10.2007 hatte ich schon sehr viel Glück, sagte mir der Arzt im Krankenwagen, der mich vor der Haustüre, auf dem Bauch im Erbrochenen liegend, bewusstlos vorfand. Noch kurz bevor ich bewusstlos wurde konnte ich über 112 einen Notruf durchgeben. In der Uni-Klinik wurde sofort eine CT-Untersuchung durchgeführt, dann an einen Tropf mit Blutverdünner rangehängt. Innerhalb von 1-2 Stunden hatte sich das Sehvermögen wieder so weit normalisiert, dass ich mit meiner Spezialbrille (9,5Prismen – nicht

 

Dioptrien) wieder alles sehen konnte. Zur Beobachtung hielten sie mich noch die Nacht dort und wurde dann ohne sichtbare Einschränkung wieder entlassen.

 

Ein paar Tage später erhielt ich die Nachricht über die Teilnahme an einer 2-Monatigen Reha in der Uni-Klinik, wo die Probanten morgens abgeholt und abends wieder nach Hause gebracht wurden – incl. Mittagessen in der Kantine. Innerhalb dieser 2 Monate machte ich enorme Fortschritte und lernte viele Übungen, um mein Gleichge- wicht zu trainieren. Seitdem führe ich diese Übungen täglich aus und kann so die Einschränkungen durch die Schlaganfälle reduzieren, zumindest nachmittags.

 

Doch durch die bewusste Schädigung der deutschen Kripo in der Unit-Stroke des AKH Linz bin ich immer noch 100% erwerbsunfähig und 90% schwerbehindert.

 

Was du nicht willst das man dir (und deinen Angehörigen) tut, das füg auch keinem anderem zu.

 

 

 

Abu Ghraib, 21.07.2023

 

 

 

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Siegfried Bauer